Dienstag, 3. März 2009

Was ich bin und was nicht

Was ich nicht bin
Hängt immer zwischen den Stundenplänen an der Küchenwand
Was ich nicht bin
Ist der Sekundenzeiger
Den es auch an meiner Armbanduhr nicht gibt
Was ich nicht bin
Wird in allen Telefongesprächen stets und stets behauptet
Aber
Das bin nicht ich

Ich bin kein gerade Linie
Ich bin keine Erfolgskurve
Manchmal strebe ich ins unendliche
Und manchmal gehe ich gegen Null
Aber ich bin kein Kreis, ich wiederhole mich nicht
Ich tändle nur gern
Auf und nieder
Immer wieder

Was ich nicht bin
Ist ein volles Glas Wasser
Und auch kein leeres
Ein leeres Glas Wasser ist keines mehr
Es ist nur noch ein Glas
Vielleicht bin ich das - ein Glas
Befüll mich mit süßer Limonade
Oder mit schönen Wünschen
Ich trinke mich an allem satt

Was ich nicht bin
Ist ein Kleinkrämer oder ein Kurzwarenhändler
Ich verkaufe keine Bürgerlichkeiten
und überhaupt gar keine Mehrheiten
Vielleicht bin ich das, einer mit einem Bauchladen
Was man mir reicht, verstaue ich darin.

Was ich nicht bin
Ist ein jemand
Und auch kein niemand
Ich bin eher jeder gern
Aber ungern keiner

Was ich bin
Will ich gar nicht wissen
Ich bin nicht jemand
Der alles für die Ewigkeit festnagelt
Ich hänge lieber um
Wenn mir Dinge verstauben
Oder male in die schmutzigen Schicht
Mit dem sauberen Finger
Etwas neues hinein

Was ich bin
Ist für jene bedeutsam
Die gerne über sich reden
Und Wichtigkeiten mitteilen
Und Unnützes bestreiten
Aber ich bin lieber keines und
dafür von jedem ein bisschen
Als immer eines zu sein
und alles zu missen.

Freitag, 20. Februar 2009

Im Jetzt, I

Allmählich könnte man sagen, ich komme an in der Stadt.

Hier eine Verabredung zum Kaffee, da in einen Poetry Slam, ein Bier zwischen zwei Momenten, in denen man sich zum ersten Mal wirklich in die Augen schaut. Tausend e-mails zu beantworten und hinter jedem ein unbekanntes Gesicht und tausend peinliche, kommende Situationen. Das alles pumpt mir Adrenalin in einem steten Fluss gegen die Schläfen und in meinen Ohren rauscht es nur noch. Werde ich jemals ein Gefühl vom Jetzt erhalten?
Irgendwie bin ich immer entweder hinterher oder vorraus.

Tagelang wünscht man sich Aufregung und Kurzweil und dann hat man Angst vor jeder Begegnung, vor jeder Zuneigung wie auch Ablehnung. Werde ich soziophatisch?

Auf dem Laufband frei fühlen, inmitten der schönen Hüllen um mich herum und der ganzen Luft, die nach Solarium und Chlor riecht, hab ich kurz vergessen, wie schwer es ist, das zu kriegen was man will oder überhaupt herauszufinden, was man will. Aber nur kurz. Solange die Beine anstandslos mitmachten.

Das Leben ist ein Traum, fällt mir ein. Und nicht, weil ich das Wort Traum mit solcher Schönheit verbinde, sondern gesehen als so eine Art David-Lynch-Film. Ich stolpere von einer absurden Situation in die andere, weil ich mir vorschreibe, dass das alles so laufen muss und sein sollte und mich glücklich macht, dabei ist alles nur ewig und immer Beschäftigungstherapie. Hinter irgendeiner Türe spielt ein Schwein Blockflöte und ein leeres Gurkenglas übt Seilspringen. Nur nicht denken! Man fülle das Vakuum mit Zuckerwatte.

Selbst die richtigen Worte gehen im Strudel unter.
RUHE IM GERICHTSAAL!
Aber die Gehirnwindungen prügeln sich weiter auf die Fresse.
Aber egal.
Weiter.

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