Frau Neu

Samstag, 26. Juni 2010

Nach Zahlen ordnen, sonst nichts.

1
Wir wollen heute von der Liebe sprechen, aber niemand weiß ein Wort.
Dann also schütten wir Wein und Gesang darüber, bis uns das Kotzen kommt und so ist es doch immer. Wenn man seine verdammten Exzesse durchschaut, werden sie hohl. Eine Kirmes, ein Rummel, etwas, das weiterzieht und wiederkommt und dem Vergessen anheimfällt. Ein Zirkus. Mit rotem Lippenstift und Kajal male ich mir Mund und Augen erst und blicke durch den Gin in die Manege. Ach was ist es ein Fest, dass es einem ganz schlecht wird. Dem Tiger den Kopf ins Maul halten und der Puls, der Puls steigt und schreit einen um Leben an und man schreit so laut man kann zurück.

2
Es ist zwei Uhr und ich zähle die gerauchten Kippen, die getrunkenen Bier, die gerissenen Witze. Zwischen zwei Augenblicken kann ich nicht mehr lachen und mein Blick stirbt bei irgendwem im Gesicht einfach ab. Dann schauen sie einen mit großen Augen an, weil sie erkennen, dass hinter aller Fassade ein Scheißmonster sitzt und die Welt gefressen hat.
Als ich wieder lächle, ist die Glut fast an den Fingern und die Menschen postulieren sich zuerst als Geräusche, dann als bewegende Schemen und schließlich treten Gesichter hervor, an denen ich mich wieder festhalten kann. Mir ist schlecht, aber ich lege mich auf die Wiese und lache. Wie einer, der überlebt hat.

3
Sie sitzt mir gegenüber und wenn zwei Augen das blaue Meer sind, dann ihre. Mit Wellen und allem und dem ganzen Schaumkronenweiß.

4
Er sitzt mir gegenüber und ich sehe zwischen zwei Wimpernschlägen einen Funken und mit dem Wort, das erst das Ich dahinter formt, habe ich den Funken erkannt, der dem Tod ebenso entrinnt. Du bist einer, der seine Seele verstoßen hat, sie nicht anerkennt, einer, der keine haben will, keine braucht. Und doch: der Funke. Weil keine Seele sich erfasst, sondern ein Geist sich erst selbst erschafft, ist es er, der leuchtet. Er ist der Heilsbringer, Überwinder, das Feuerkind mit der angenagten Leber und derjenige, der die Blitze schleudert und den Hammer schwingt. Und das ist es: Es gibt einen Ort, wo dem Tode kein Reich mehr bleibt. Auch er und seine Sensenmänner sind nur Gedanken. Und keiner kann mir das Gegenteil beweisen. Mir meine Fackel und dir deine und es soll nicht mehr Dunkel sein auf Erden.

Donnerstag, 18. März 2010

Enough.

Ich sitze am Tisch und male Kringel auf das blinde Blatt, es ist weiß, jetzt schwarz, es ist jetzt voll. Der Tisch steht auf der Wiese, vielleicht in der Sonne, am See, an jenem See, den wir früher einmal gern hatten. Jetzt malt der Wind Bilder hinein und ich male sie ab, aufs Blatt, das ist, was ich tue.
Ich sehe dich von weitem kommen, du läufst langsam, als wolltest du gar nicht ankommen, manchmal hälst du fast im Gehen inne. Schaust aus der Ferne. In meinen Augenwinkeln hängt die blaue Glaskugel, die dich sieht und bewundert. Die endlos langen Haare streuen sich in den Wind. Sie wollen davon, wie du.
Als du da bist, bleibst du nur stehen und sagst nichts. Du wippst leicht, auf den Ballen. Wartest. Ich weiß auf was, es wird nicht eintreffen.
"Nina, Nina." Du räusperst dich, suchst in deiner Tasche nach einer Zigarette und zündest sie im Schutz deiner Hand an."Nina"
Heiße ich so? Ich will nicht so heißen. Wie du es sagst, du legst eine Geschichte in den Namen, du sprichst ihn aus, als wärst du gewohnt das Wort zu sagen, geübt darin. Legst Bedeutung mit hinein. Ich heiße so nicht. Du ziehst viermal, schnell, atmest schnell aus, dann schwankst du, greifst nach der Stuhllehne, dir ist schwindlig geworden, wie immer, von der ersten Kippe am Tag.
Sag meinen Namen nicht, denke ich und sage dann:
"Was willst du? Geh." Du bist wahrscheinlich schockiert, ich weiß es nicht, du hast dein Gesicht dem Wind zugewandt.
"Geh" Sage ich mit Nachdruck, ich will dich hier nicht. Dich nirgendwo. Niemanden nirgendwo. Der mich kennt und meinen Namen mit seiner Geschichte spricht. Ich will neu sein und neu leben und jemand soll sagen: Du hast schöne Augen und sie noch nie weinen gesehen haben und sagen: Du hast schöne Haare und nicht wissen dabei, wie sie aussehen, wenn ich geschlafen habe. Ich will dich nicht hier und auch sonst niemanden, der sich das Bild von mir endgültig gemalt hat. "Also geh."
Und du schaust mich noch einmal an und es ist nur Zorn in den Augen, den stahlblauen. Du gehst. Ich blicke dir nicht nach.

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