Freitag, 4. Juli 2008

Relativität

Ich saß, die Beine angezogen an der Bushaltestelle in der Dämmerung und wartete auf den verdammten TXL, der immer, aber auch immer Verspätung hat und dessentwegen ich auch darüber nachdenke die BVG wegen Zerstörung von Lebensqualität anzuzeigen. Mir war kalt, den klamm gewordenen, sich schon leicht wellenden Hamlet zwischen den noch klammeren Fingern, miesepeterte ich im Nieselregen und verfluchte innerlich die Hiphoppfeife neben mir, für erstens ihren Zigarettenrauch und zweitens Pa Doddy auf gefühlten 480 Gigadezibel aus Handylautsprechern. Ich kann nicht mit Subkulturen und deren seltsamen Belangen. Herrgott, ich lese meine Bücher doch auch nicht laut vor... Ich hätte Johnny B. natürlich auch fragen können: Was bedeutet's, Daß, toter Leichnam, du, in vollem Stahl. Aufs neu des Mondes Dämmerschein besuchst, die Nacht entstellend, dass wir Narren der Natur so furchtbarlich uns schütteln mit Gedanken? Ich meine... Vermutlich hätte er angenommen ich würde ihn dissen oder soetwas in der Richtung, womit er in seiner Welt nicht einmal Unrecht gehabt hätte.
Genug dachte ich und stellte auf Innenleben. Muschelmeeresrauschen im Ohr, die Welt im Licht einer goldenverglasten Brille. Einatmen, ausatmen. Es ist ein wunderschöner Tag, der Regen perlt am Glas der Bushaltestellenscheibe ab wie am Blatt einer Tropenpalme und der nette Junge neben mir unterhält mich mit seiner exotisch afrikanischen Musik. Ich genieße den Wind nach der langen Hitze, atme die feuchte Luft ein, schmecke den metallenen Geschmack auf der Zunge, schließe die Augen und höre kein Berlin mehr, sondern nur noch das Geräusch des Regens. In meinen Gedanken sind wir schön.

...

Bisweilen lässt mich der Gedanke nicht los, mein Vater verschaffte sich durch die monatliche Überweisung Absolution und die Illusion von Kontakt.

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